Niederschlag in Mecklenburg-Vorpommern
Steigende oder ungleich verteilte Niederschläge verändern das Klima in Mecklenburg-Vorpommern. Wie wirken sich diese Entwicklungen auf Landwirtschaft, Natur und Ihren Alltag aus? Erfahren Sie mehr über die aktuellen Trends beim Niederschlag in Ihrer Region.

Anders als die Temperatur entwickelt sich der Niederschlag weniger eindeutig. Grundsätzlich gilt: Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Pro Grad Erwärmung steigt die mögliche Wasserdampfmenge in der Atmosphäre um etwa sieben Prozent. Damit steht grundsätzlich mehr Wasser für Niederschläge zur Verfügung als früher.
Langfristig betrachtet sind die durchschnittlichen Jahresniederschläge seit dem späten 19. Jahrhundert insgesamt gestiegen. Gleichzeitig zeigen sich in jüngerer Zeit – insbesondere in den vergangenen Jahren – häufiger trockene Phasen. Die Verteilung der Niederschläge verändert sich.
Immer häufiger heftige Regenfälle
Auffällig ist zudem: Wenn es regnet, dann oft intensiver als früher. Starkregenereignisse nehmen zu und können innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen bringen. Verschiedene Untersuchungen bestätigen deutliche Veränderungen bei Niederschlagsextremen. Diese Entwicklungen stehen im Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel – auch wenn sie komplexer und regional unterschiedlich ausgeprägt sind als der Temperaturanstieg.
So verändern sich die Niederschläge in MV
In der oberen Abbildung sehen wir die Entwicklung der durchschnittlichen Niederschlagsmenge in Mecklenburg-Vorpommern. Die Werte sind jeweils räumlich (Gebietsmittel innerhalb des Bundeslands) und zeitlich (ein Jahr) gemittelt. So ist seit 1881 jedes Jahr anhand eines Mittelwerts dargestellt. Daraus ergeben sich bis 2025 insgesamt 145 Jahreswerte - miteinander verbunden zeigen sie die Entwicklung der Niederschläge einschließlich möglicher Trends.
Demnach steigen die durchschnittlichen Jahressummen insgesamt leicht an. Das verrät uns der lineare Trend in Form der gestrichelten Linie. Zeitgleich ist der Niederschlag eine enorm variable klimatische Größe. Das bedeutet, dass zwischen einzelnen, teils auch dicht beieinander liegenden Jahren, möglicherweise große Unterschiede in der Jahresauswertung sichtbar werden. So folgte auf das bislang trockenste MV-Jahr 1959 mit rund 428 Litern pro Quadratmeter mit dem Jahr 1960 eines der bislang nassesten Jahre überhaupt. Rund 75 Prozent mehr Niederschlag (knapp 750 Liter pro Quadratmeter) wurden damals registriert. Ein nahezu identisches Ereignis zeigten die aufeinanderfolgenden Jahre 2017 und 2018: Hier folgte allerdings zunächst auf das bislang zweitnasseste Jahr mit rund 800 Litern pro Quadratmetern das bisher zweittrockenste Jahr 2018 mit fast 50 Prozent weniger Niederschlägen (etwa 430 Liter pro Quadratmeter) gegenüber dem Vorjahr.
Spannend zu vergleichen sind auch die einzelnen Jahreszeiten: Regnet es im Herbst wirklich mehr als in den Sommermonaten? War der Winter schon immer die nasseste aller Jahreszeiten? Die untere Abbildung beantwortet diese Fragen.
Auch hier sehen wir erneut die insgesamt große Variabilität des Niederschlags, sowohl über die einzelnen Jahre, aber auch unter den entsprechenden Jahreszeiten. Auffallend dabei ist der Sommer: Er hat die größte Variabilität unter allen Jahreszeiten. Beispielsweise waren die Sommermonate der Jahre 2007, 2011 und 2017 durchschnittlich enorm niederschlagsreich. Diese Werte von 300 bis 400 Liter pro Quadratmeter binnen drei Monaten werden in keiner der anderen Jahreszeiten auch nur ansatzweise erreicht.
Meteorologisch sind diese Erkenntnisse leicht erklärbar: Besonders in den Sommermonaten erleben wir in Mecklenburg-Vorpommern überdurchschnittlich viele sogenannte "konvektive Ereignisse". Darunter fallen beispielsweise kräftige Schauer oder auch sommerliche Gewitter. Sie haben das Potential, punktuell hohe Niederschlagsmengen zu bringen. In überdurchschnittlich wechselhaften Sommern - wie beispielsweise in den oben genannten Jahren - sorgen diese vermehrt auftretenden Ereignisse für entsprechend viel Regen. Die Winterniederschläge dagegen sind im Schnitt insgesamt verlässlich höher als die Summen der anderen Jahreszeiten. Sie bringen im langjährigen Mittel den meisten Niederschlag ins Bundesland, dafür mit weniger Ausreißern sowohl nach oben als auch nach unten.
Genug Nass, denn auch in MV erleben wir ebenfalls genügend Tage, an denen es - zumindest weitestgehend - trocken bleibt. Hier lohnt ein Blick in die untere Abbildung, die uns die Zahl und Entwicklung sogenannter Trockentage zeigt.
Ein Trockentag beschreibt einen Tag, an dem im Mittel weniger als ein Liter Niederschlag pro Quadratmeter fällt. Ist dies der Fall, landet der Tag in der Statistik. Die dann jeweilige Anzahl der Trockentage ist anhand von zeitlichen (ein Wert pro Jahr) und räumlichen (gebietsgemittelt im Bundesland) Werten und ihren Verläufen seit dem Jahr 1920 dargestellt. Demnach registrieren wir in MV im Schnitt pro Jahr etwa zwischen 180 und knapp 240 solcher Trockentage.
Die gestrichelte gerade Linie, der sogenannte lineare Trend, verrät uns: Ebenso wie die mittleren Jahresniederschlagsmengen nimmt auch die durchschnittliche Zahl solcher Trockentage zu. Dies ist kein Widerspruch, sondern zeigt einerseits die große "Flexibilität" beim Wetter, andererseits eine Zunahme von Extremwetterereignissen im Rahmen des Klimawandels: Auf vermehrte Starkregenereignisse bzw. Zeiträume mit höheren Niederschlagsmengen folgen zunehmende Phasen häufigerer Trockenheit.
Insgesamt zeigen Niederschlag, Temperatur und Sonnenschein, wie vielschichtig die Veränderungen sind. Sie betreffen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen – und machen deutlich, warum Klimaschutz und Klimaanpassung Hand in Hand gehen müssen.