Statement: Warum Klimaszenarien angepasst werden
Das Klimaszenario RCP8.5 gilt als "nicht mehr plausibel". Was bedeutet das nun für unsere Klimazukunft?

Ausgangslage
In der Klimawissenschaft werden verschiedene Szenarien betrachtet, die mögliche zukünftige klimatische Entwicklungen jeweils unter bestimmten Voraussetzungen aufzeigen. Für jedes dieser Szenarien entsteht durch Betrachtung unterschiedlicher Modelle eine Bandbreite von möglichen Zukünften.
Im zukünftigen siebten Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC werden die als Hochemissionsszenarien bezeichneten Varianten RCP8.5 und SSP5-8.5 nicht mehr weiter berücksichtigt. Im Gegenzug nutzt die neu verwendete Modellgeneration aktualisierte Szenarien. Das neue Hochemissionsszenario rechnet demnach weiter mit hohen Emissionen, jedoch etwas niedriger als früher.
Warum wird das gemacht?
Zentraler Grund sind weltweite Entwicklungen: Der konstant voranschreitende Ausbau erneuerbarer Energien kombiniert mit technologischen Fortschritten sowie internationale Klimaschutzmaßnahmen machen die im Hochemissionsszenario angenommenen sehr hohen Treibhausgasemissionen laut aktuellem Stand weniger wahrscheinlich als vor rund 15 Jahren. Gleichzeitig wurde ein spürbarer Rückgang beim Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle und Öl registriert. Aufgrund dieser vorhandenen Fortschritte im Klimaschutz soll für künftige Analysen, beispielsweise die nächste Risikoanalyse des Bundes (und voraussichtlich auch der Bundesländer) auf das etwas niedrigere Szenario SSP3-7.0 (IPCC, AR6, ebenfalls noch ein Hochemissionsszenario) zurückgegriffen werden.
Fakt ist und bleibt aber auch: Wenn das bisherige Hochemissionsszenario RCP8.5 bzw. SSP5-8.5 nun nicht weiter betrachtet wird, steuern wir momentan weiterhin auf eine Erwärmung von global etwa 3,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitraum bis zum Ende des Jahrhunderts zu. Dieser Wert liegt ebenfalls deutlich über der Grenze von 2 Grad Celsius, auf die sich die Weltgemeinschaft im Pariser Klimaabkommen im Jahr 2015 verständigt hatte.
Fachliche Einordnung
Was sind Klimaszenarien?
Klimaszenarien skizzieren mögliche Entwicklungen, die das Erdklima beeinflussen. Sie basieren auf „Was-wäre-wenn“-Annahmen zu gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen, zur Landnutzung und den daraus resultierenden Treibhausgasemissionen. Klimaszenarien bilden die Grundlage für Klimaprojektionen.
Was sind Klimaprojektionen?
Klimaprojektionen sind Simulationen mit komplexen Klimamodellen, die berechnen, wie sich Atmosphäre, Ozeane und andere Bestandteile des Klimasystems für verschiedene Klimaszenarien entwickeln könnten. Um die Bandbreite möglicher Entwicklungen realistisch abzuschätzen, vergleichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit viele Klimamodelle.
Wer entwickelt Klimaszenarien?
Internationale Forschungsprojekte des Weltklimaforschungsprogramms (WCRP), insbesondere das „Coupled Model Intercomparison Project“ (CMIP), entwickeln Klimaszenarien. Für die nächste Projektphase, CMIP7, wurden im April 2026 neue Szenarien definiert (Van Vuuren et al. 2026).
Was hat sich bei den Klimaszenarien geändert?
Die Hochemissionsszenarien RCP8.5 und SSP5-8.5 gelten heute als weniger plausibel. Das neue Hochemissionsszenario sieht geringere Treibhausgasemissionen vor. Trotz der neuen Szenarien simulieren sie deutliche Klimaänderungen und erhebliche Risiken.
Wofür stehen RCP8.5 und SSP5-8.5?
RCP8.5 und SSP5-8.5 sind Hochemissionsszenarien, die den 5. und 6. Sachstandsbericht des IPCC prägten. Sie beschreiben eine Zukunft mit sehr hohen Treibhausgasemissionen bis 2100 und darüber hinaus. Die Zahl „8.5“ steht für eine zusätzliche Energieaufnahme der Erde von 8,5 Watt pro Quadratmeter bis 2100. Diese Szenarien untersuchen die möglichen Auswirkungen eines starken menschengemachten Klimawandels.
Warum gelten RCP8.5 und SSP5-8.5 heute als weniger plausibel?
Ein ungebremster Ausbau fossiler Energien erscheint heute unwahrscheinlicher als vor 15 Jahren. Gründe sind: der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien, technologische Fortschritte, Klimaschutzmaßnahmen vieler Staaten und veränderte globale Emissionstrends. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktualisieren Klimaszenarien regelmäßig – so fließen neue Erkenntnisse ein.
Welches Klimaszenario wird künftig stärker genutzt?
Für Klimarisikoanalysen des Bundes und der Bundesländer soll künftig das Szenario SSP3-7.0 als Hochemissionsszenario dienen. Auch dieses Szenario beschreibt hohe Treibhausgasemissionen bis 2100, liegt jedoch unter den früheren Annahmen von RCP8. 5 und SSP5-8.5.