Änderungen des Meeresspiegels in der Ostsee

Der Meeresspiegel steigt – mit spürbaren Folgen für die Küsten in Mecklenburg-Vorpommern. Welche Risiken ergeben sich für Natur, Infrastruktur und unsere Städte und Gemeinden? Hier finden Sie aktuelle Zahlen zur Situation in Mecklenburg-Vorpommern.

Klimafakten

Der globale Meeresspiegel steigt infolge des Klimawandels kontinuierlich an. Ursache sind vor allem das Abschmelzen von Gletschern und Eisschilden sowie die thermische Ausdehnung des sich erwärmenden Meerwassers. Der Weltklimarat projiziert bis zum Ende des 21. Jahrhunderts – je nach Emissionsentwicklung – einen globalen Anstieg in einer Bandbreite von etwa 0,3 bis 1,0 Metern. Zusätzliche Beiträge, etwa durch bislang nur eingeschränkt modellierbare Prozesse in der Antarktis, sind dabei nicht ausgeschlossen.

Für die deutschen Küsten werden Entwicklungen erwartet, die sich in ihrer Größenordnung am globalen Mittel orientieren. Regionale Unterschiede ergeben sich jedoch durch Wind- und Luftdruckverhältnisse, ozeanische Massenverteilungen sowie durch vertikale Landbewegungen. Letztere gehen unter anderem auf nacheiszeitliche Ausgleichsprozesse zurück und beeinflussen, wie stark der Meeresspiegel relativ zur Küste ansteigt.

Pegel der Ostsee steigt

Langjährige Pegelmessungen an Nord- und Ostsee – teils seit über 150 Jahren – zeigen an nahezu allen Standorten statistisch signifikante steigende mittlere Wasserstände. Neben dem langfristigen Trend überlagern dekadische Schwankungen die Entwicklung. Der Meeresspiegelanstieg erhöht insbesondere in Ästuaren und Niederungsgebieten das Risiko von Sturmfluten und Überschwemmungen, beeinflusst Sedimenttransport und Tidedynamik und kann Küstenerosion verstärken.

Die bestehenden Unsicherheiten in den Projektionen sowie regionale Besonderheiten machen eine kontinuierliche Beobachtung und Bewertung unerlässlich. Sie bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung und Anpassung des Küsten- und Hochwasserschutzes. 

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Vieljährige Messungen in Rostock-Warnemünde

Die obere Abbildung zeigt die Veränderung der Meeresspiegelhöhe in der Ostsee seit dem Jahr 1807. Unser Referenzstandort ist die Messstation in Rostock-Warnemünde. Zeitreihen über derart lange Zeiträume bieten hervorragende Möglichkeiten, um wissenschaftliche Aussagen zu Veränderungen zu formulieren. Als Quelle dient der Permanent Service for Mean Sea Level (PSMSL). Die Einrichtung sammelt, archiviert und analysiert in Form weltweiter Datenbänke aus unzählige Daten von über 2.000 weltweiten Pegelstationen. Die Daten des PSMSL werden unter anderem genutzt, um den globalen Anstieg des Meeresspiegels zu dokumentieren, der laut Sonderbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zwischen 1901 und 2018 im globalen Mittel um rund 20 Zentimeter gestiegen ist.

Die hier dargestellte Zeitreihe zeigt für Warnemünde einen leichten Meeresspiegelanstieg etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts, darüber hinaus einen beschleunigten Anstieg ungefähr seit den 1980er Jahren. Lücken in der Zeitreihe gehen auf fehlende Daten zurück, die durch besondere, häufig geopolitische Ereignisse, zurückzuführen sind. Insbesondere während und nach dem Zweiten Weltkrieg fanden für einige Zeit keine regelmäßigen Aufzeichnungen statt.